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Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit

Was passiert, wenn Menschen aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit nicht mehr ausüben können und für eine Altersrente noch zu jung sind? Für diesen Fall kann eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit das Einkommen ganz oder teilweise ersetzen, sofern die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht ist.

Renten wegen voller Erwerbsminderung

Medizinische Voraussetzungen

Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung besteht, wenn der Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit weniger als 3 Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten kann.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Neben den medizinischen Voraussetzungen, müssen Versicherte auch die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllen und in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen vorliegen.

Feststellung des Leistungsvermögens

Maßstab für die Feststellung des Leistungsvermögens ist die Erwerbsfähigkeit des Versicherten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, das heißt in jeder nur denkbaren Tätigkeit, die es auf dem Arbeitsmarkt gibt. Zur Feststellung des Leistungsvermögens hat der begutachtende Arzt Diagnosen zu stellen und die hieraus folgenden Funktionseinschränkungen sowie diejenigen Belastungen zu beschreiben, die dem Versicherten gesundheitlich noch zumutbar sind. Zusammenfassend gibt der Gutachter eine Einschätzung zum Umfang des verbliebenen Leistungsvermögens ab. Wird ein Restleistungsvermögen von unter drei Stunden auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt festgestellt, liegt volle Erwerbsminderung vor.

Voll erwerbsgemindert sind auch Versicherte, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, z. B. behinderte Menschen, die in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen oder in Blindenwerkstätten oder für diese Einrichtungen in Heimarbeit tätig sind, sowie in Anstalten, Heimen oder gleichartigen Einrichtungen in gewisser Regelmäßigkeit eine Leistung erbringen.

Volle Erwerbsminderung wird auch bei Versicherten unterstellt, die bereits vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit voll erwerbsgemindert waren, während der Zeit einer nicht erfolgreichen Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Allgemeine Wartezeit

Die allgemeine Wartezeit beträgt 5 Jahre.

Auf die allgemeine Wartezeit werden Beitragszeiten (Pflichtbeitragszeiten einschließlich Kindererziehungszeiten sowie Zeiten mit freiwilligen Beiträgen), Ersatzzeiten, Zeiten aus einem durchgeführten Versorgungsausgleich, Zeiten aus einem Rentensplitting unter Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern sowie Zeiten aus Zuschlägen aus 450-Euro-Jobs (Minijobs) angerechnet.

Versicherte, die bereits vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit voll erwerbsgemindert waren und seitdem ununterbrochen voll erwerbsgemindert sind, haben auch Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung, wenn sie die Wartezeit von 20 Jahren erfüllt haben.

Vorzeitige Wartezeiterfüllung

Unter bestimmten Voraussetzungen können Versicherte die Mindestversicherungszeit (Wartezeit) von 5 Jahren vorzeitig erfüllen. Das ist dann der Fall, wenn der Versicherte wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit, einer Wehrdienst- oder Zivildienstbeschädigung oder wegen politischen Gewahrsams vermindert erwerbsfähig geworden ist. Grundsätzlich genügt hier schon ein einziger Beitrag zur Rentenversicherung, bei einem Arbeitsunfall oder Eintritt einer Berufskrankheit allerdings nur, wenn Sie zum Zeitpunkt des Unfalls oder der Erkrankung versicherungspflichtig waren; anderenfalls müssen Sie mindestens 1 Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit in den letzten 2 Jahren davor gezahlt haben.
Die Wartezeit ist ebenfalls vorzeitig erfüllt, wenn der Versicherte vor Ablauf von 6 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden ist und in den letzten 2 Jahren vor Eintritt der vollen Erwerbsminderung mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge nachweisen kann. Der Zeitraum von 2 Jahren vor Eintritt der vollen Erwerbsminderung verlängert sich um Zeiten einer schulischen Ausbildung nach Vollendung des 17. Lebensjahres bis zu 7 Jahren.

Dreijährige Pflichtbeitragszeit in den letzten fünf Jahren

Zur Erfüllung der besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen müssen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Der Zeitraum von fünf Jahren verlängert sich um Anrechnungszeiten sowie Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung.

Eine Pflichtbeitragszeit von drei Jahren ist nicht erforderlich, wenn die Erwerbsminderung aufgrund eines Tatbestandes eingetreten ist, durch den die allgemeine Wartezeit als vorzeitig erfüllt gilt (zum Beispiel einen Arbeitsunfall).

Für Versicherte, die die allgemeine Wartezeit bereits vor 1984 erfüllt hatten, besteht Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung auch ohne drei Pflichtbeitragsjahre in den letzten fünf Jahren, wenn jeder Kalendermonat vom 1. Januar 1984 bis zum Kalendermonat vor Eintritt der vollen Erwerbsminderung entweder mit Beitragszeiten, beitragsfreien Zeiten oder Berücksichtigungszeiten belegt ist, so dass ggf. auch durch kontinuierliche freiwillige Beitragszahlung eine bereits vor 1984 erworbene Anwartschaft auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufrechterhalten werden kann.

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Info-Telefon für Menschen mit Behinderungen 030 221 911 006

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